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07. Oktober 2020

AUSLANDSFUSSBALL


Vom Hoffnungsträger zur Ikone: Fünf Jahre Klopp in Liverpool

Liverpool (dpa) - Nach der heftigsten Niederlage seiner Amtszeit in Liverpool ist Startrainer Jürgen Klopp wahrscheinlich nicht gerade in Feierlaune. Dabei steht ein erfreuliches Jubiläum an.

Trainer Jürgen Klopp bei seiner Vorstellung beim FC Liverpool im Oktober 2015. Foto: Phil Richards/EPA/dpa (Foto: DPA)

Am Donnerstag ist es fünf Jahre her, dass Klopp seinen Vertrag beim FC Liverpool unterschrieb. Es war der Beginn einer großartigen Erfolgsgeschichte, die nach dem Champions-League-Triumph 2019 in diesem Sommer mit dem Gewinn der Meisterschaft ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte.

«Wir verteidigen keine Titel, wir wollen neue holen, haben gerade erst angefangen mit dem Gewinnen», kündigte Klopp vor kurzem im Interview des «Sportbuzzer» an. Damit weitere Trophäen folgen, muss das peinliche 2:7 bei Aston Villa ein einmaliger Ausrutscher bleiben. War es das? «Ich denke schon. Ich hoffe es», sagte Klopp nach dem Debakel am Sonntag, das nicht nur auf der Insel für verblüffte Reaktionen sorgte. Schließlich passte die Partie so gar nicht zu dem erfolgreichen Team, das Klopp über die Jahre geformt hat.

Am 8. Oktober 2015 heuerte der frühere Coach des FSV Mainz 05 und von Borussia Dortmund für zunächst drei Jahre beim traditionsreichen FC Liverpool an. Legendär seine witzige Pressekonferenz, in der er sich als «The Normal One», der Normale, vorstellte. «Wir müssen geduldig sein», warnte er damals und äußerte sich verhalten optimistisch. «Wenn ich in vier Jahren noch hier sitze, dann bin ich ziemlich zuversichtlich, dass wir einen Titel haben.»

Der gebürtige Stuttgarter, der mit seiner lockeren Art in Anfield schnell zum Publikumsliebling wurde, sollte Recht behalten. Am 1. Juni 2019, drei Jahre und gut acht Monate nach seinem Amtsantritt, stemmte er in Madrid den Champions-League-Pokal nach einem lockeren 2:0-Sieg gegen Tottenham Hotspur in die Höhe.

Zwölf Monate vorher waren die Reds im Finale gegen Real Madrid noch gescheitert - eines von mehreren Endspielen die Liverpool unter dem Trainer verlor. Doch unter Klopp ging der Blick immer nur nach vorn. Nach dem verlorenen Match gegen Madrid tauchte ein Video auf, in dem der beschwipste Coach mit Sänger Campino von den Toten Hosen über den Henkelpott sang: «Wir holen ihn nächstes Jahr zurück.» Gesagt, getan.

Fast hätte die Klopp-Elf 2019 sogar das Double geholt. Nach einer furiosen Premier-League-Saison mit 97 Punkten und nur einer einzigen Niederlage wurden die Reds ganz knapp Vizemeister. Als bester Zweitplatzierter der Liga-Geschichte hatten sie ein Pünktchen weniger als Pep Guardiolas Meister Manchester City. «Zweiter ist nicht unbedingt das, was ich heute Abend gern sein wollte», gab Klopp damals zu. «Aber ich sehe hier niemanden, der weint.»

Ein Jahr später gewann Liverpool endlich auch die Meisterschaft - und Klopp beendete mit seiner Mannschaft die 30-jährige Durststrecke in Anfield, die längste Phase der Vereinsgeschichte ohne Meistertitel. Aus «The Normal One» wurde «The Successful One», der Erfolgreiche.

«Das ist das Beste, was ich mir vorstellen kann und mehr, als ich mir je erträumt hatte», schwärmte der Meistermacher in einer Live-Schalte des englischen Senders Sky. «Es ist ein unglaublicher Moment. Ich bin total überwältigt.» Dass er das Interview kurz darauf abbrechen musste, weil er in Tränen ausbrach, brachte dem ohnehin über alle Maßen beliebten Liverpool-Trainer zusätzliche Sympathien ein.

Sein Bart ist in den fünf Jahren etwas grauer geworden. Das Gesicht hat ein paar Falten mehr. Klopps Leidenschaft ist jedoch unverändert. Das wird Woche für Woche am Spielfeldrand deutlich, wo der 52-Jährige wild mit den Armen fuchtelt, die Zähne zeigt und keine Konfrontation mit Schiedsrichtern und gegnerischen Trainern scheut.

Im vergangenen Dezember hat Jürgen Klopp seinen Vertrag bis 2024 verlängert. Kultstatus genießt der beliebte Coach längst an der Merseyside. Die Chancen stehen gut, dass er - wie vor ihm die Trainerlegenden Bill Shankly oder Bob Paisley - eine Ära in Anfield prägt.

© dpa-infocom, dpa:201007-99-855642/2